„End poverty in all its forms everywhere“ ist das Erste der 17 Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Damit rückt auch die Ungleichheitsforschung in den Fokus der Mathematik hinsichtlich der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Diese Forschung erlebte ihren ersten Höhepunkt im 18. und 19. Jahrhundert, als der politische Ökonom David Ricardo sie zur Grundfrage der Ökonomie erklärte. 100 Jahre später untersuchte Vilfredo Pareto das Einkommen und den Wohlstand europäischer und südamerikanischer Länder. Er stellte fest, dass etwa 20 % der Bevölkerung etwa 80 % des Bodens besaßen. Heutzutage ist dies in der nach ihm benannten Pareto-Verteilung formalisiert, die auch heute oftmals Vermögens- und Einkommensverteilungen gut annähert. Pareto-Verteilungen sind immer noch ein Schwerpunkt der modernen Ökonomie und auch seit 20 Jahren im Fokus der mathematischen Forschung im Bereich der statistischen Mechanik. Sie werden annähernd vom Zipf’schen Gesetz beschrieben, das seinen Ursprung in der Linguistik hat. Es besagt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Beobachtung invers mit ihrem (steigenden) Rang fällt, was auch in Vermögensverteilungen auftritt. Die Ungleichheitsforschung erlebt momentan auch durch die Debatten nach der Finanzkrise ab 2007 und die Veröffentlichungen rund um Thomas Piketty einen zweiten Höhepunkt. Das Aufgreifen dieses Themas soll Schülerinnen und Schülern helfen, ein Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit zu entwickeln und sie dazu ermutigen, sich aktiv für positive Veränderungen hinsichtlich Ungleichheit einzusetzen, dem 10. Punkt der Sustainable Development Goals (SDGs).
Fischer Michael and Mokre Patrick (2026): Ungleichheit greifbar machen. In: Siller Hans Stefan and Vorhölter Karin (Eds.). Neue Materialien für einen realitätsbezogenen Mathematikunterricht 11. ISTRON-Band zur interdisziplinären Thematisierung von Mathematik und zur mathematischen Bildung für nachhaltige Entwicklung. Springer Spektrum Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-72949-6_3

